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Alte Türinschrift in der Burgstraße
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Pfarrer Sturm nimmt Abschied

26.05.2011

Nassauische Neue Presse vom 26.05.2011 von Bernhard Trost

Nach nur sechs Jahren in Brechen übernimmt der Geistliche eine neue Pfarrstelle in Lahnstein und Braubach

Aufregung im pastoralen Raum Brechen, Hünfelden und Selters: Der katholische Pfarrer Armin Sturm verlässt – auf Weisung des Limburger Bischofs – seine hiesigen Gemeinden und übernimmt eine neue Pfarrstelle in Lahnstein und Braubach. Nachdem er seine "Abberufung" selbst während der Predigt am Wochenende verkündet hatte, verbreitete sich die Neuigkeit zunächst in Nieder-, Oberbrechen und Werschau in Windeseile.


Pfarrer Armin Sturm (46) verlässt Brechen. Foto: wu

Brechen/Hünfelden/Selters. "Die Nachricht ist eingeschlagen wie eine Bombe, zumal man zuvor kein Sterbenswörtchen von einem möglichen Weggang des Pfarrers in der Gemeinde hatte vernehmen können. Auch Insider waren total ahnungslos. Deshalb sind die Menschen hier alle so geschockt", so der Situationsbericht des NNP-Lesers Willi Schütz, der für sich schon einen Schuldigen am Haken hat: "Vor einer solchen Entscheidung hätte der Limburger Bischof mal seine Kundschafter ausschicken sollen. Dann wäre ihm zu Ohren gekommen, dass der pastorale Raum Brechen/Hünfelden nach vielen sehr mageren Jahren, was die Pfarrerversorgung betrifft, nun endlich mal einen jungen dynamischen Seelsorger hatte. Kaum war er, vor knapp sechs Jahren, da, ist er auch schon wieder weg", klagt Schütz. Der Limburger "Fürst-Bischof" kenne die Stimmung in der Bevölkerung entweder nicht oder diese sei ihm völlig egal, sagt Schützt. Letzteres erscheine ihm am wahrscheinlichsten.

Kindergärten noch offen

Bürgermeister Werner Schlenz (parteilos) bestätigte offiziell den Weggang des Pfarrers. Ganz "frischen" Nachrichten zufolge habe der Bischof schon längere Zeit – seit Oktober 2010 – den Pfarrer immer wieder "gelöchert", die Pfarrstelle in Lahnstein/Braubach, die als eine recht schwierige Pfarrei gilt, zu übernehmen. Das Gerücht, dass Sturm hier als "Schlichter" eingesetzt werden soll, untermauert den Anspruch auf Richtigkeit dieser These. Mit Sturm, der nach eigenem Bekunden gerne hier geblieben wäre, möchte der Bürgermeister gerne noch den Komplex "Kindergärten" zum Abschluss bringen. Weitere kircheninterne Themen würden dann unter neuer Federführung abzuarbeiten sein.

Ein Nachfolger sei laut Ordinariatsauskunft bereits bestimmt. Wenigstens gebe es insoweit dann keine neue Vakanzzeit für Brechen/Hünfelden und derzeit auch Selters.

Der ehemalige Organist von "St. Georg" Werschau und Vorstandsmitglied des Freundeskreises Berger Kirche, Kurt Fortenbacher, schilderte die Bestürzung und Betroffenheit der Bevölkerung über den Weggang von Sturm. Dieser sei ein hervorragender Prediger, habe wunderschöne Gottesdienste gestaltet, insbesondere für die Jugend und die Senioren ein stets offenes Ohr gezeigt. Krankenkommunion zu Hause, Gottesdienste in den Seniorenheimen und Einbindung in die Jugendarbeit standen bei ihm vornean. Auch für die Kulturstätte Bergen habe er sich immer eingesetzt.

Großes Bedauern

Es sei eine Katastrophe für Brechen, so die Einschätzung des ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Höhler. "Sturm war ein fantastischer Nachfolger für Gregor Pitton. Er sei ein konservativer Pfarrer, habe aber immer den Dialog und das vernünftige Miteinander gesucht. Er sei überall beliebt gewesen. Insoweit sei der Abschied für Brechen recht traurig. Man müsse aber auch die andere Seite betrachten. Der hochintelligente Sturm wäre niemals für immer in Brechen geblieben, meint Höhler. Jetzt beginne sein beruflicher Aufstieg.

"Armin Sturm war ein guter und engagierter Seelsorger und ich bedaure, dass er Brechen verlässt", so der FWG-Fraktionsvorsitzende im Gemeindeparlament, Gerd Roos. Zivil- und Pfarrgemeinde hätten zusammen eine im Ergebnis gute Arbeit geleistet. Dass es dabei auch mal zu harten Verhandlungen komme, liege in der Sache. Er habe im Oktober 2005 geglaubt, von diesem jugendlichen Pfarrer – Sturm ist heute 46 Jahre alt – lange seelsorgerlich betreut und versorgt zu werden. Das sei leider ein Trugschluss gewesen. SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd Schmidt wollte sich nicht näher zu dem Vorgang äußern. Die Gründe, warum Pfarrer Sturm versetzt wurde, seien ihm nicht bekannt. Mit den mitunter unterschiedlichen Auffassungen in den Kindergartenfragen hätte diese Entscheidung wohl nichts zu tun. Gleichwohl sei die Abberufung völlig überraschend gekommen.

Der Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Karl-Jürgen Jung wollte sich ebenfalls nicht äußern. Er käme gerade aus dem Krankenhaus und dürfe sich keiner Aufregung aussetzen, die ihm nur schade. Nur so viel: "Man muss ja froh sein, mittelfristig einen Nachfolger zu bekommen. So wurde es uns wenigstens zugesagt." Die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christel Höhler-Heun (CDU), bedauerte es zutiefst – "und da stehe ich wahrlich nicht alleine da" – , dass Pfarrer Sturm geht, der wieder mal gezeigt habe, wie feierlich katholische Gottesdienste sein könnten. Auch die politischen Gremien hätten mit dem "Mann des Ausgleichs" stets gut zusammengearbeitet. Man hoffe, mit ihm und in seiner sachlichen Verhandlungsatmosphäre noch einige Punkte zum Abschluss bringen zu können.

Für Bernhard Königstein, Altbürgermeister von Brechen, kam diese Versetzung viel zu früh: Ein Pfarrer kenne nach fünf/sechs Jahren seinen Wirkungskreis, der sich ja ständig vergrößere, gerade mal leidlich, und wenn er dann wisse, wohin der Hase laufe, und er mit guter Seelsorge beginnen könne, werde er schon wieder versetzt. Aber man höre ja ständig Schlagworte aus Kirchenkreisen, wozu auch der Begriff "Kirche in Bewegung" gehöre. Er schätze Pfarrer Sturm sehr und bedaure seinen Weggang. Und dass es Sturm nicht anders gehe, zeige die lange Zeit, in der der Bischof bei ihm für Lahnstein geworben habe.

Das sagt der Pfarrer selbst

Pfarrer Armin Sturm selbst war es sichtlich nicht angenehm, sich zu dem Vorgang zu äußern, ließ sich dann aber zu einigen Sätzen überreden. "Ich habe mich hier sehr wohlgefühlt. Der Goldene Grund und der Flecken sind mir ein Stück Heimat geworden", sagte der gebürtige Westerwälder. Er verlasse Brechen mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Die Leute seien ihm ans Herz gewachsen, insbesondere seine engsten Mitarbeiter. Auch mit den gemeindlichen Gremien und den Vereinen sei stets eine gute und gedeihliche Zusammenarbeit erfolgt. Doch die Zeiten, dass ein Seelsorger sein komplettes berufliches Dasein bis zu seiner Pensionierung auf ein und derselben Pfarrstelle verbringe, seien unwiederbringlich vorbei. Dass gebe der heutige "Pfarrer-Fundus" einfach nicht mehr her, nahm er den Bischof aus der Schusslinie. Dieser müsse ja auch mit dem Mangel zurechtkommen. So seien die beiden Lahnsteiner Pfarreien "St. Barbara" und "St. Martin" schon seit über einem Jahr unbesetzt.

Wichtig sei ihm gewesen, dass hier in Brechen/Hünfelden keine "pfarrerlose" Zeit anbricht: "Es ist Fakt, dass sofort nach meinem Weggang ein neuer Pfarrer die hiesigen Aufgaben übernimmt." Die Frage nach dem lachenden Auge beantwortete er so: "Die neue Verwendung bedeutet für mich eine Herausforderung und es ist nicht unangenehm, dass der Bischof mir diese größere Aufgabe anvertraut." ( wu)

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