Die Initiative der Freiwilligen Feuerwehren Oberbrechen, Niederbrechen und Werschau zusammen mit dem DRK-Ortsverein Niederbrechen und der DLRG-Ortsgruppe Brechen-Runkel-Villmar e.V. hat die Gemeinde Brechen ein Stück herzsicherer gemacht. Ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand kann jeden treffen – umso wichtiger ist es, schnell und richtig zu handeln.
Bei einem Herz-Kreislaufstillstand zählt jede Sekunde. Unter dem Leitgedanken der „drei H – Hauptsache heftige Herzdruckmassage“ wird deutlich gemacht, worauf es im Ernstfall entscheidend ankommt: sofort handeln, die 112 anrufen, feste drücken und nicht zögern. Denn bei einem plötzlichen Herzstillstand, etwa infolge eines akuten Ereignisses wie einem Herzinfarkt, bricht die Blutzirkulation abrupt zusammen. Ohne rasche Hilfe drohen innerhalb von 3–5 Minuten schwerste Hirnschäden.
Ergänzend zur Herzdruckmassage kann – sofern möglich und beherrscht – eine Beatmung im Verhältnis 30:2 erfolgen, also 30 Kompressionen gefolgt von zwei Atemspenden. Dadurch wird der Körper zusätzlich mit Sauerstoff versorgt. Wer sich eine Beatmung nicht zutraut, sollte dennoch nicht zögern: Kontinuierliche Herzdruckmassage allein ist immer besser, als gar nichts zu tun.
Eine entscheidende Rolle spielt zudem der Einsatz eines Automatisierten Externen Defibrillators (AED) durch einen weiteren Ersthelfer. Diese Geräte führen auch medizinische Laien mit klaren Sprachansagen sicher durch die einzelnen Schritte. Der AED analysiert selbstständig den Herzrhythmus und gibt – wenn notwendig – einen lebensrettenden Stromstoß ab. Wichtig ist: Die Herzdruckmassage wird nur für die Analyse und eine mögliche Schockabgabe kurz unterbrochen und danach sofort fortgesetzt.
Doch Sie sind nicht alleine in dieser Situation - Durch Ihren Notruf werden Rettungsmittel (Rettungswagen/Notarzt) los geschickt, die Sie unterstützen werden. Im Landkreis Limburg-Weilburg ist seit über einem Jahr zudem das KATRETTER-System etabliert, wodurch ausgebildete Helfer/innen aus nächster Nähe ebenfalls alarmiert und zur Einsatzstelle geführt werden. Es sind oft wenige Minuten Zeitvorsprung, die jedoch sowohl die/den Ersthelfer/in als auch den Rettungsdienst unterstützen. Sie tragen keine Einsatzkleidung und geben sich als KATRETTER klar zu erkennen. Alles zusammen trägt dazu bei, dass das Leben der betroffenen Person bestmöglich gerettet werden kann.
In der Gemeinde Brechen ist es dank dieser Initiative gelungen, sieben AEDs zu beschaffen, die an den folgenden Orten öffentlich ab sofort zugänglich sind:
Niederbrechen:
- Feuerwehr Niederbrechen
- Rathaus (Rathausstr.)
- Kinderhaus “In der Schlei”
Oberbrechen:
- Alte Schule / Feuerwehr Oberbrechen
- Emstalhalle Oberbrechen
Werschau:
- Dorfgemeinschaftshaus Werschau
- Katholische Kirche St. Georg
"Die Informationsveranstaltung zu dieser Initiative in der Sport- und Kulturhalle, die passenderweise am Pulseday, dem 1.3. in Brechen stattfand, war ein voller Erfolg. Das Interesse der Bevölkerung war enorm", freut sich Astrid Brahm. Sie dankte allen beteiligten Hilfsorganisationen aber ganz besonders auch den zahlreichen Sponsoren, die diese Anschaffung ermöglicht haben.
"ERSTE HILFE geht uns alle an, frischen Sie Ihr Wissen auf - für mehr Sicherheit im Alltag", so ihr Appell. “Informieren Sie sich, wo die Erste-Hilfe-Kästen sind, und überprüfen Sie den Zustand regelmäßig, merken Sie sich, wo die AEDs, nicht nur in unserer Gemeinde, sondern auch an anderen öffentlichen Orten verfügbar sind - nur so können vielleicht SIE der/diejenige sein, die mit diesem Wissen aktiv Leben retten können.”
Dr. med. Daniel Bock informierte aus seiner beruflichen Praxis als Sektionsleiter Internistische Intensivstation des St. Vincenz Krankenhauses Limburg über die Möglichkeiten, Chancen und Abläufe der Reanimation und leitete mit diesem Vortrag auf die in Echtzeit durchgespielte Übungssimulation eines Fallbeispiels über. Hierbei wurde eine häusliche Situation dargestellt, in der sich ein Herzstillstand ereignete. Nach Wählen des Notrufes wurde die Angehörige durch die ersten Maßnahmen der Wiederbelebung geführt, bis die KatRetter die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückte. Die Simulation wurde unterstützt durch die angehenden Notfallsanitäter/innen des DRK Limburg und des Malteser Hilfsdienstes. Sehr plastisch wurde gezeigt, wie sich das Einsatzszenario darstellt und wie viele Personen unter Umständen alles Menschenmögliche geben, um das Leben einer Person zu retten und wie wichtig jeder einzelne Schritt ist. Die Verantwortung zu übernehmen und die Herzdruckmassage zu erlernen sind lebensrettend.
Die klare Botschaft lautet daher:
Prüfen, rufen, drücken – und wenn verfügbar, einen AED einsetzen – und durchhalten, bis professionelle Hilfe eintrifft.
Jede beherzte Maßnahme kann Leben retten.
(Bericht: Peter Ehrlich / Bild: Marcel Auth)
Bilduntertitel: KatRetter bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

